Sitten und so

Mittwoch, 7. November 2007

Die Boungiorno-Schwelle

An diesen Punkt kommt man sicher immer, wenn man in einem fremden Land ist: Der Punkt, an dem jeder Reiseführer zu einem nutzlosen Haufen Papier wird, und jede mühsam erworbene Sprachkenntnis zu vergeblichem Hirnzellenballast. Der Punkt, an dem man einsehen muss, dass wahre Kenntnis des Landes mehr erfordert, als man aus Büchern lernen kann. Der Punkt, an dem man das Land ins Gefühl bekommen muss, oder abreist. In Italien kommt man recht schnell an diesen Punkt. Nachmittags.

Es gibt: Buongiorno. Und: Buonasera. Guten Tag und guten Abend. Dazwischen passen noch Ciao (nur zu Freunden), Salve (nur zu Underground-Szene-Freunden) und buon pommeriggio (nie). Wann man nun Buongiorno sagt und wann Bounasera, scheint auf den ersten Blick recht logisch. Tricky wird die Sache dadurch, dass der Italiener den "Abend" schon etwas früher ansetzt. Nämlich irgendwann davor.

Die Betonung liegt allerdings auf "irgendwann" - jeden Tag ist dieser Zeitpunkt ein anderer. Und jeden Tag sind sich alle stillschweigend einig, wann es soweit ist. Alle außer mir. Mehrfach begrüßte ich nun schon gegen drei Uhr Nachmittags Menschen mit Buonasera, die nachgerade empört darüber waren. Allerdings sagte ich erst gestern gegen zwei Buongiorno in einem Geschäft, woraufhin man mich fast des Ladens verwiesen hätte. Bitte ich hilflos um Aufklärung, nehmen mich freundliche Italiener an die Hand, zeigen auf den Stand der Sonne, erspüren zwischen Zeigefinger und Daumen die Luftfeuchtigkeit, halten den Finger in den Wind und erklären mir achselzuckend, dass es doch völlig klar sei, was man um diese Zeit des Tages zu sagen habe.

Keine Frage: der durchschnittliche Landesbewohner hat schlicht im Gefühl, wann er welchen Ausdruck verwenden muss. Ein kollektiver Buongiorno-Schalter befindet sich in den Köpfen der Hießigen, und er kippt jeden Tag auf Buonasera, wenn die Zeit dafür gekommen ist. "Stranieri" wie ich hampeln um diese Zeit hilflos durch die Nachmittagssonne und lösen sich im Zeitgefüge auf, weil sie den Akklimatisationsprozess nicht schnell genug geschafft haben.

Das bekommt man, sage ich mir, sicher ins Gefühl, nach einiger Zeit, ganz sicher, und sicher bald. Bis dahin muss ich eben geduldig sein. Warten. Und niemanden mehr begrüßen, zwischen eins und fünf.
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Bella Mortadella

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