Die 2 Torri

Jede Stadt baut sich ein Wahrzeichen, manche bauen viele und lassen die Wahl. Bologna baute zwei und war sich bei beiden nicht so sicher: Die Türme sind schief. Dafür direkt im Stadtzentrum. Die wichtigsten Straßen gehen davon aus, die wichtigsten Leute stehen wartend davor, gestern stürmte eine Polizeieinheit den einen, um nach Drogen zu suchen. Ihre Neigung ist zwar nicht Pisa-verdächtig (und ich betone, dass ich mir mindestens drei Pisa-Neigungs-Witze im Bezug auf die Lernkurve deutscher Schüler spare), aber sichtlich un-gerade sind sie doch. Der eine, der noch-un-geraderere (wir sind prägnant heute), ist kleiner als der weniger-un-geraderere (und wir sind es gern), weswegen man ihn leicht übersieht. Den anderen, den großen also, sieht man von überall. Fast überall. Zumindest meine Seite der Stadt läuft in einer breiten Straße auf ihn zu, ich muss zwei Meter vor die Tür gehen und sehe ihn monumental in den Horizont ragen. Was die Illusion hervorruft, man könne hinlaufen. Kann man zwar, aber es ist ein halber Tagesmarsch und führt an einer Verkehrsader entlang, deren Feinstaubwert dreimal über dem erlaubten Maximum liegt (weswegen in Bologna das Gasmasken-business boomt und im Januar eine Woche die Autos ruhen). Er sieht ein wenig wachturmig, auch leuchtturmig aus, der Turm, und nun ist er mit Lichtern geschmückt, wie überhaupt alles auf einmal mit Lichtern geschmückt ist. Weihnachten scheint hier prinizipiell eine Frage der Beleuchtung zu sein, die ganze Stadt ist nun Lichter-behängt, allenthalben fallen sie herunter und erdrosseln arglose Passanten durch ihre Verbindungskabel, aber ansonsten ist die Stimmung feierlich. Auch Glocken läuten nun ständig, aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Erzählen wollte ich vielleicht, dass die beiden Türme die letzten Überreste von ehemals sehr vielen Türmen waren, sogenannten Geschlechtertürmen, die sich wichtige Familien leisteten und von denen Bologna entsprechend übersät war. Dann kam der Weltkrieg, geblieben sind nur zwei, davon wenigstens der größte, der erwähnte, der weniger-un-geraderere, immerhin einmal höchstes Gebäude der Welt. Fiele er um, und die Chancen stehen nicht schlecht, fiele er also in die Neigungsrichtung, erschlüge er das kulturelle Zentrum der Stadt und begrübe die besten Nachtclubs unter sich. Angeblich aber steht er sicher und man lehnt sich an ihn, hockt auf seinen Stufen oder kauft im Gift-Shop darunter Bücher, man weiß nicht recht, warum Bücher, aber die gibt es eben da. Was mich daran erinnert, dass ich nun eine Buchhandlung kenne, die Sonntags (!) Nachts um zwei (!!) noch geöffnet hat. Um diese Zeit kann man sonst höchstens noch Drogen oder Fahrräder kaufen, beide gibt es hier im Überfluss, aber auch das wollte ich eigentlich nicht erzählen. Was ich eigentlich erzählen wollte, hängt mit den beiden Türmen zusammen, ist aber im Nachhinein betrachtet irgendwie unwichtig. Hinaufgehen darf man übrigens nicht, alter Aberglaube, tut man es vor Beendigung des Studiums, beendet man das Studium nicht. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick, so wird erzählt, er erstrecke sich über die Stadt, über die Hügel, über alles eigentlich. Schön soll es sein und ich ärgere mich, dass man mir den Aberglauben gleich bei Ankunft erzählte, sonst wäre ich vielleicht nichtsahnend hinaufgestiegen und nun um eine Angst reicher, die ich sowieso ständig habe, dafür auch um eine schöne Aussicht. Schön sehen die Türme natürlich auch von unten aus, aber so bleiben sie eben Mahnmal, Denkmal, Halt-mal-den-Rucksack-ich-mach-schnell-ein-Photo, wie ein Kollege sagen würde, dabei ist Bologna gar nicht mal so touristisch. Aber es dreht sich eben alles um die zwei Türme, das Leben hier, der Verkehr, dieser Beitrag auch. Was wollte ich nochmal erzählen?
bluni (Gast) - 7. Dez, 11:34

Happy Birthday, lieber Til.

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