Bella Bologna

Bologna hatte Stadtmauern. Die sind abgerissen, schon lang, zugunsten einer Schnellstraße. Trotzdem spricht noch jeder davon: Man befindet sich hier stets innerhalb oder außerhalb der Mauern, und wenn man neu ist, weiß man oft nicht, ob man sich in guter Verfassung befindet, weil man die Mauern nicht sieht, von denen ständig alle reden.

Die "Mauern" schließen den Stadtkern ein, und damit alle Wichtigkeiten der Gegend. Ein bisschen so, als hätte man Sehenswürdiges in eine Schlinge drapiert und dann kräftig zugezogen: Im Zentrum drängeln sich spektakuläre Plätze und Museen.
Was es dort nicht gibt, ist Grün (stattdessen Rot, aber das erwähnte ich schon einmal).

Wenn man nun, wie ich, einige Wochen etwas deprimiert durch die Gassen schlich, weil man das Gefühl nicht los wurde, ohne Bäume fehle etwas (u.a. frische Luft), dann kam man zwangsläufig irgendwann auf die Idee, es mal ein bisschen außerhalb zu versuchen.

Und siehe da.

Seit Wochen spaziere ich, wann immer sich Zeit findet, an den "Mauern" entlang - es ist phantastisch. Alle Bäume, für die im Zentrum kein Platz mehr war, haben sich aus Protest vor die Stadttore gestellt und bilden dort wunderbare Alleen. Kleine Parkanlagen wechseln sich mit Fußballplätzen und botanischen Gärten ab. Es kann passieren, dass man um die Ecke biegt und plötzlich in einem Denkmalgärtchen steht. Der Widmungsträger ist ein italienischer Dichter der Jahrhundertwende und steinern in Gärtchenmitte verewigt. Seinen Namen habe ich vergessen, aber er sitzt auf einem Schemel und ist umringt von Gestalten aus seinen Werken, die rechts und links die Hände nach ihm strecken. Zwar ist das Bild ein wenig gruselig (und ich musste noch eine Stunde darüber nachdenken, wie ein solches Denkmal für Stephen King aussähe). Die Idee aber ist nett und das Beispiel nur eines von vielen: Ständig trifft man abseits des üblichen Italo-Tourie-Sensations-Gedöns auf wirklich schöne Kleinode der vor-neuzeitlichen Städteplanung.

Wenn man sich noch weiter vom Stadtkern entfernt, sieht man das Ende der Siedlung in hügelige Landschaft ausfransen. Ein who-is-who mediterraner Vegetation erstreckt sich im Umland, momentan verschwindet das immer noch satte Grün zusehends im Nebel, und nur wenige Häuser sind an den Hängen erkennbar, Villen zumeist, die aus der Ferne scheinen, als dürfe man sie nur in Toga und Sandalen betreten.

Ach, es ist schön.

Das wollte ich gerade mal erzählen.
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Bella Mortadella

Alles mal probieren.

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