Keine Kohle

Der italienische Student zahlt für ein Semester an seiner Hochschule übrigens knapp 1000 Euro. Wenigstens in Bologna ist das so. Dafür bekommt er Vorlesungen von Mitte Oktober bis Mitte Dezember. Kann allerdings passieren, dass sein Institut spontan 2 Wochen Ferien macht, wie meines gerade.

Glücklicherweise darf der Normalo-Erasmusianer gratis in alle Kurse (und dort mit der monitären Oberschicht Norditaliens Notizen machen). Allerdings erwartet Bologna ein ähnliches Salär zum Lebensunterhalt: Wohnraum gibts kaum unter 500 Euro, wenn man mit Dach schlafen will. Dazu kommt Essen, optimalerweise täglich. Die Preise dafür variieren, billiger als "1-Euro-teurer-als-in-Deutschland" wird es allerdings kaum. Vorausgesetzt man geht nicht in eines der diversen Lokale: Dann pendelt sich das Niveau zwischen "3-Euro-teurer-als-in-Deutschland" und "Bloody-hell-wer-kann-das-kaufen?!" ein.

Die Folge ist, dass meine monatlichen Schweißausbrüche und how-to-survive-Kalkulationen deutlich früher einsetzen als gewohnt. Zuhause wurde das Geld stets gegen den 27sten knapp, und es folgten einige Tage, die ich in der Wohnung verbrachte, von wo ich alte Bekannte anrief, die ich wohlhabend, großzügig und satt wähnte, und sie fragte, wie die lage in ihrem kühlschrank sei. Ansonsten schichtete ich die verbliebenen Centstücke zu einer Pyramide in der Zimmermitte auf und achtete peinlich genau darauf, dass das Bauwerk nicht schrumpfte (gern zählte ich vor dem Schlafengehen noch zwei-, dreimal nach).

Hier fangen meine Hände schon um den 20sten an, zu zittern, wenn ich nach dem Geldbeutel greife. Den ersten Monat lebte ich leichtsinnigerweise meinen Standard weiter, weswegen ich nun beinahe allen Familienmitgliedern größere Beträge schulde und das Repertoire an panischen Schick-mir-was-ich-hab-nix-zu-essen-Anrufen fürs erste gespielt ist. Der stahlharte Sparkurs der ersten Novembertage löste sich in diversen, bierseeligen Leichtsinnigkeiten auf (wer schon einmal betrunken neben einer unfassbar teuren, angeknabberten Riesensalami aufgewacht ist, weiß, dass man sich über so etwas ärgern kann).

Nun hat mich die finanzielle Wirklichkeit wieder und der Gürtel wird die nächsten Tage ungewohnt eng geschnallt. Einzige Hoffnung ist noch, einen der vielen reichen Schnösel, mit denen ich mich in den Literaturkursen langweile, anzupumpen oder im Haarwasser- und Weichspülerimperium seines Vaters als Kartonstapler anzufangen. Nur ist Arbeit finden hier auch nicht leicht, denn man braucht eine Meldebestätigung, für die man wiederum einen Einkommensnachweis braucht, der einen Einkommensnachweis der Eltern mit einschließt, was wiederum eine gesundheitliche Untersuchung der ganzen Familie voraussetzt, wofür man einen Nachmittag bräuchte, der schlussendlich niemandem so recht zur Verfügung steht und schon gar nicht allen auf einmal.

Also lebe ich illegal und arm in Italien, und bis ein Mäzen endlich auf den grandiosen Gedanken gekommen ist, jemandem wie mir allein schon aus Prinzip ein monatliches Stipendium zuzusprechen, werde ich so etwas wie eine Auberginen-Diät erfinden, denn Auberginen habe ich noch nie so viel gegessen wie hier, Auberginen sind hier ungewöhnlich billig.
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Bella Mortadella

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